Psychoanalyse

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Der Begriff „Psychoanalyse“ bezeichnete ursprünglich die von Sigmund Freud um 1890 entwickelte Lehre von den unbewussten Vorgängen in der Psyche des Menschen, die in der Kindheit begründet sind. Im allgemeinen Sprachgebrauch ist damit heute allerdings vorwiegend die psychotherapeutische Behandlung nach diesem Konzept gemeint. Seit dem Wirken Freuds hat sich die Psychoanalyse in viele Richtungen weiterentwickelt. Man kann fast kaum noch von einer einheitlichen Wissenschaft oder streng gleich ablaufenden Psychotherapie sprechen, allerdings ist die psychoanalytische Behandlung in den Grundmethoden immer noch wie zu Zeiten Freuds.

Grundlagen der Psychoanalyse

Sigmund Freud ging davon aus, dass viele seelische Leiden durch einen Konflikt hervorgerufen werden, der zwischen unbewussten, weil verdrängten oder vergessenen prägenden Erlebnissen in der Kindheit und aktuellen Wünschen und Gefühlen der erwachsenen Person entsteht. So erlebt z.B. ein Patient immer wieder in bestimmten Situationen, dass er voller Angst und Hemmungen ist, Schuldgefühle hat oder sich nicht selbstbestimmt und souverän verhält. Dieses Gefühl der Fremdbestimmung und Machtlosigkeit soll durch die Analyse einem Gefühl der Selbsterkenntnis und Ermächtigung weichen. Der Patient soll verstehen, wann er sich das erste Mal so gefühlt hat, in welcher Situation er Schuld, Scham oder Angst erlebt hat und warum.

Wie entstehen Kindheitstraumata und psychische Konflikte?

Wenn ein Kind nicht in einer emotional stabilen Umgebung aufwächst, in welcher Gefühle wie Hass, Wut, Angst und Scham erfolgreich verarbeitet werden können, weil zu wenig Sicherheit, Liebe und Vertrauen in die Eltern und Umgebung vorhanden ist, entstehen Traumata , die den Menschen auch als Erwachsenen immer noch begleiten und prägen. So kann z.B. ein Mensch, der als Kind in der Schule viel ausgelacht und verspottet wurde und bei Eltern oder Freunden keine Sicherheit oder Trost bekommen hat, auch als Erwachsener Schwierigkeiten haben z.B. im Beruf vor Menschen selbstsicher aufzutreten oder dem Chef gegenüber Ansprüche zu äußern – das kann sich z.B. in Panikattacken oder sogar einer Depression äußern. Erst, nachdem der Patient diesen Emotionen nachspürt, sich an die schmerzhaften und traumatische Situationen erinnert und durchschaut hat, dass er auch als Erwachsener immer noch ein erlerntes oder erzogenes Verhalten aus seiner Kindheit anwendet, kann er die negativen Emotionen verarbeiten, in sein Selbst integrieren und im besten Fall bestimmte Verhaltensweisen verändern.

Ablauf der Psychoanalyse

Eine Psychoanalyse dauert in der Regel mehrere Jahre und umfasst mindestens 100 bis zu 240 Therapiestunden , die an mehreren Tagen in der Woche stattfinden. Die Krankenkassen übernehmen dafür die Kosten in vollem Umfang. Bei einer Psychoanalyse liegt der Patient auf dem Rücken auf einer Couch. Der Psychoanalytiker sitzt dabei am Kopfende quasi unsichtbar hinter ihm. Diese Anordnung soll verhindern, dass der Patient zu seinem Therapeuten als Individuum eine persönliche Beziehung aufbaut. Der Therapeut soll außerdem als blinde, weiße Projektionsfläche fungieren und die Bezugspersonen des Patienten repräsentieren, die im Laufe der Analyse im Gespräch auftauchen. Während der Analyse soll der Patient frei assoziieren , was ihm gerade durch den Kopf geht z.B. was er am Tag erlebt hat, was er geträumt hat, was er gefühlt hat. Der Psychoanalytiker hört dabei – mit „gleichschwebender Aufmerksamkeit“ – fast ausschließlich zu, wertet und verurteilt nicht und lenkt das Gespräch mit Fragen. Im Laufe der Analyse kristallisieren sich dabei immer wiederkehrende Geschichten, Muster und Emotionen heraus, die dann durch den Analytiker in einen Zusammenhang gebracht werden, sodass der Patient versteht, warum er in bestimmten Situationen unmündig ist und darunter leidet.

Indikationen für eine Psychoanalyse

Die Psychoanalyse ist als Verfahren nicht für jeden Patienten geeignet. Menschen, denen es schwer fällt, zu reflektieren, die ungerne erzählen und Schwierigkeiten haben, ihre eigenen Gefühle zu beschreiben und zu schildern, werden es in der Analyse schwer haben. Ebenfalls ungeeignet ist die psychoanalytische Methode bei akuten Suchterkrankungen (also Alkoholismus oder anderen Drogenabhängigkeiten). Auch Psychosen können mit einer Psychoanalyse kaum behandelt werden. Gut geeignet ist die Psychoanalyse hingegen bei Depressionen , Angsterkrankungen, PTBS (posttraumatischen Belastungsstörungen), Borderline und allgemeiner Lebensunzufriedenheit und Beeinträchtigung des Selbstwertgefühls.

Die Inhalte dieses Artikels wurden von medizinischen Laien verfasst und dienen ausschließlich der allgemeinen unverbindlichen Vorabinformation. Sie stellen keine Beratung oder Empfehlung bezüglich Medikamente, Diagnose- oder Therapieverfahren dar. GoYellow und die Verfasser übernehmen keine Gewähr für deren Vollständigkeit und wissenschaftliche Korrektheit bzw. Genauigkeit und Aktualität. Sie sind nicht dazu geeignet und bestimmt, die professionelle persönliche Diagnose, Beratung und Behandlung durch Ihren Arzt oder Apotheker zu ersetzen. Bitte verwenden Sie die Inhalte auf keinen Fall zur Eigendiagnose bzw. Eigenmedikation. Suchen Sie bei Beschwerden oder Symptomen immer unverzüglich einen Arzt auf!
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