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Fast Forward – Leben im Zeitraffer

Für alle Fans von Yearbookyourself: Die Fotos von Irina Werning, die mit perfektionistischem Auge alte Kinderfotos mit den inzwischen gealterten Darstellern reinszeniert. In der Serie Back to the Future stellt sie Bilder, die z.T. über 50 Jahre auseinanderliegen, nebeneinander. Jedes Detail wie die Pose, der Gesichtsausdruck, die Kleidung, Accessoires und die Tapete im Hintergrund sind dabei so exakt wie möglich kopiert. Bei manchen Vorher-Nachher-Bildern ist die Ähnlichkeit der Porträtierten schon fast erschreckend. Den Betrachter befallen gemischte Gefühle, verdutztes Staunen und Heiterkeit angesichts der verblüffenden Gleichartigkeit der Gesichter, eine leise Freude, wie beim Betrachten eigener Kinderfotos, auf denen man sich wiedererkennt. Die über Jahre hinwegtäuschende Ähnlichkeit zwischen den Bildern erweckt den Eindruck der Integrität eines Menschen, einer festen, unveränderlichen Wesensart, gegen die das Anschwappen der Zeit keine Chance hat – man bleibt man selbst. Aber zugleich beschleicht einen ein leiser Schrecken, durch das zwischen die beiden Porträts gepresste Leben, das wie im Zeitraffer vergangen zu sein scheint. Die Bilder erinnern an die eigene Vergänglichkeit, denn auf den wenigsten Fotos kann man das verstrichene, zum Teil ja Jahre umfassende Leben mit seinen einschneidenden Enttäuschungen, Glücksmomenten, Irrungen und Wirrungen entdecken.  Nur in manchen Bildern zeigen Tattoos und ein paar Haare auf der Brust,  das zwischen den Aufnahmen Erlebnisse und Erfahrungen liegen – und so liegt in der Ähnlichkeit der Porträts auch ein leises Unbehagen, weil sich scheinbar nichts verändert hat. Ein Gefühl, das man von Klassentreffen kennt. Die Freude über das Wiedererkanntwerden und Wiedererkennen der alten Freunde, als ob sich nichts verändert hätte – und die leise Beklemmung, weil man das Gefühl hat, dass man sich durchaus verändert hat, die alten Klassenkameraden das aber nicht sehen wollen. Von dieser Spannung zwischen der Sicherheit und dem Gefängnis der eigenen Identität leben die Vorher-Nachher-Fotos von Irina Werning. Man bleibt man selbst.

 

© hortongrou / www.sxc.hu/photo/495428


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