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Fast Forward – Leben im Zeitraffer

Für alle Fans von Yearbookyourself: Die Fotos von Irina Werning, die mit perfektionistischem Auge alte Kinderfotos mit den inzwischen gealterten Darstellern reinszeniert. In der Serie Back to the Future stellt sie Bilder, die z.T. über 50 Jahre auseinanderliegen, nebeneinander. Jedes Detail wie die Pose, der Gesichtsausdruck, die Kleidung, Accessoires und die Tapete im Hintergrund sind dabei so exakt wie möglich kopiert. Bei manchen Vorher-Nachher-Bildern ist die Ähnlichkeit der Porträtierten schon fast erschreckend. Den Betrachter befallen gemischte Gefühle, verdutztes Staunen und Heiterkeit angesichts der verblüffenden Gleichartigkeit der Gesichter, eine leise Freude, wie beim Betrachten eigener Kinderfotos, auf denen man sich wiedererkennt. Die über Jahre hinwegtäuschende Ähnlichkeit zwischen den Bildern erweckt den Eindruck der Integrität eines Menschen, einer festen, unveränderlichen Wesensart, gegen die das Anschwappen der Zeit keine Chance hat – man bleibt man selbst. Aber zugleich beschleicht einen ein leiser Schrecken, durch das zwischen die beiden Porträts gepresste Leben, das wie im Zeitraffer vergangen zu sein scheint. Die Bilder erinnern an die eigene Vergänglichkeit, denn auf den wenigsten Fotos kann man das verstrichene, zum Teil ja Jahre umfassende Leben mit seinen einschneidenden Enttäuschungen, Glücksmomenten, Irrungen und Wirrungen entdecken.  Nur in manchen Bildern zeigen Tattoos und ein paar Haare auf der Brust,  das zwischen den Aufnahmen Erlebnisse und Erfahrungen liegen – und so liegt in der Ähnlichkeit der Porträts auch ein leises Unbehagen, weil sich scheinbar nichts verändert hat. Ein Gefühl, das man von Klassentreffen kennt. Die Freude über das Wiedererkanntwerden und Wiedererkennen der alten Freunde, als ob sich nichts verändert hätte – und die leise Beklemmung, weil man das Gefühl hat, dass man sich durchaus verändert hat, die alten Klassenkameraden das aber nicht sehen wollen. Von dieser Spannung zwischen der Sicherheit und dem Gefängnis der eigenen Identität leben die Vorher-Nachher-Fotos von Irina Werning. Man bleibt man selbst.

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© hortongrou / www.sxc.hu/photo/495428

Street View Outtakes – Jon Rafman

Es hat nicht lange gedauert, da hat auch die Kunstszene Google Streetview entdeckt und sich auf die Suche nach besonderen, einzigartigen und zufällig aus der Gewöhnlichkeit des Alltags herausstechenden Szenen der Google Aufnahmen gemacht. Bemerkenswert ist die in zwei Jahren minutiöser Sichtung entstandene Sammlung ungewöhnlicher Bilder des kanadischen Künstlers Jon Rafman Nine Eyes of Google Street View. Darunter sind poetische Bilder, wie die nackte Frau an einem wild zerklüfteten Strand, die versonnen aufs Meer blickt, sich im Wind bauschende Bettwäsche, Kinder, die von einer Brücke zum Baden in einen Fluss springen aber auch verlebte Bordsteinschwalben im Leopardenmini an der Strasse, ein Dutzend Männer, die bei einer Polizeirazzia mit gespreizten Beinen an einer Wand stehen, ein dürrer Klepper, der im Müll frisst. Komische, skurille, melancholische und bittere Bilder reihen sich aneinander, ungeschönt im Moment des Zufalls geknippst vom unbestechlichen Auge der Googlelinse und genau darum so anrührend, weil schonungslos alle Seiten des menschlichen Lebens hier verdichtet und ohne Urteil nebeneinander stehen.

© Jon Rafman / http://9eyes.tumblr.com/

Street View – Schnappschuß des Lebens

Seit gestern ist Google Streetview auch in Deutschland am Start. Die Menschen in den Büros sitzen mit entleertem Blick vor den Monitoren. Durch den Raum hallt ein Klicken wie bei György Ligetis Konzert für 100 Metronome. Alle fahren die Strasse, in der sie wohnen, rauf und runter. Zoomen näher ran. Und entdecken plötzlich heitere kleine Schnappschüsse des Lebens, die sich just in dem Augenblick ereigneten, in denen Google auf den Auslöser gedrückt hat. Meist unbemerkt von den Abgeschossenen. Man sieht Menschen mit scheuem Blick über die Schulter in ein Erotikgeschäft treten, beim Pinkeln, beim Handstand mit Blick auf den Schlüpfer, brennende Autos. Manchmal schlagen die unfreiwillig Abgelichteten zurück, Frauen und Männer ziehen blank vor der Googlekamera, junge Rebellen recken den Mittelfinger, manche fotografieren zurück, das Googlemobil wird von Vögeln angegriffen und geblitzt.  Streetviewfun und Gstreetsightings sammeln solche Aufnahmen und schon trudeln die ersten skurrilen Shots aus Deutschland ein. Man kann vermutlich Jahre auf der Suche nach derartigen Kuriositäten verbringen. Mit etwas Fantasie kann man die kleinen Dramen erahnen, die sich in der Sequenz der Aufnahmen abspielen: Im ersten Bild sieht man ein Paar draußen vor einem Cafe sitzen. Als das Googlemobil auf gleicher Höhe ist, steht die Frau und schreit den Mann an. Im dritten Bild sieht man beim Blick zurück, wie sie davonstürmt. Ein kleiner Junge fährt mit dem Rad vor dem Auto her, im Blick zurück sieht man, wie er stürzt und sich das Knie blutig schlägt. Diese Szenen verstecken sich in den harmlosen Strassenaufnahmen und offenbaren sich erst, wenn man sich als Betrachter umwendet. Daraus erklärt sich auch die Faszination, die Street View auf den Betrachter ausübt – denn schlicht die  Ablichtung von Strassenzügen und Häuserfassaden, an denen man sowieso jeden Tag vorüber fährt, erklärt nicht, warum die Menschen stundenlang vor den Bildern gewöhnlicher Mehrfamilienhäuser hängen und sich festklicken. Google ist hier also mehr gelungen, als nur ein paar hübsche Bilder von Asphalt, Grünstreifen und Wohnblocks. Google hat hier einen Schnappschuß vom Leben gemacht.

© dimitri c / www.sxc.hu/photo/1271301

Kostenlos Musik hören – Simfy und Steereo

Nach langem Hickhack zwischen den Plattenfirmen und findigen Usern, die immer wieder Schleichwege fanden, kostenlos an Songs zu kommen, indem sie in juristischen Nebelbänken segelten, hat die Musikindustrie ein Einsehen. Da sie im Kampf gegen die Guerilla-Armada nur den Kürzeren ziehen kann, hat sie sich eine zeitgemäße Lösung für das Problem semi-legaler Musikdownloads einfallen lassen: inzwischen gibt es Portale, die zahlreiche Songs kostenlos und ganz legal zum Anhören zur Verfügung stellen. Anders, als bei iTunes & Co, wo man mit oft wenig aussagekräftigen 30-Sekunden-Schnippseln auskommen muß, kann man bei www.simfy.de komplette Alben hören – wenn man bereit ist, dabei Werbung zwischen den einzelnen Songs zu ertragen. Mittlerweile kann man auf diesem Portal auf über 6 Millionen Titel zugreifen – ganz legal. Zusätzlich kann man eigene Musik mit Freunden tauschen.
Kleine Haken:
Ein Herunterladen der Songs ist (noch) nicht möglich. Außerdem braucht man eine möglichst flotte Internet-Flatrate, da man die Songs nur online hören kann. Falls man die Songs auch offline nutzen möchte, muß man für 9,99 € eine Premium-Mitgliedschaft abschließen. Auch ein Upload eigener Songs ist noch nicht drin.
Trotzdem: schicke Sache!

Eine Alternative zu simfy ist www.steereo.de – Hier erhält man für bereits 2,99 € im Monat einen Premium-Account und kann Songs zu den handelsüblichen Preisen (0,99 Cent) auch kaufen. Anders, als z.B. bei iTunes, sind die gekauften Songs nicht durch DRM geschützt, sondern können beliebig oft kopiert werden.

Für ein kurzes Tutorial einfach auf Tutorial/Simfy klicken.

© Christian Seidel / www.pixelio.de